Alles über Stabil


Stabil und Stabil-Baukasten waren Markennamen für Metallbaukästen der ehemaligen Firma Walther & Co aus Berlin. Diese Metallbaukästen waren in den 1920er und 1930er Jahren so verbreitet, dass der Name "Stabil-Baukasten" in Deutschland zu einem Gattungsbegriff für alle Metallbaukästen wurde - egal, von welchem Hersteller sie auch immer produziert wurden.
In diesem Internet-Auftritt werden aber nur die Original-Stabilbaukästen der Firma Walther & Co aus Berlin, behandelt.
Diese Kästen wurden von 1911 bis 1970 produziert.


Eigenschaften

Der Metallbaukasten, und somit auch der originale Stabil-Baukasten, ist ja nicht nur so ein Spielzeug, das man bespielt, bis es nicht mehr funktioniert. Der Metallbaukasten ist vielmehr ein ganz besonderes Spielzeug, mit dem man sich selbst immer weiter neue Spielzeuge herstellen kann. Zuerst gewinnt man einen Spielwert durch das Erbauen eines Modells. Zum Zweiten kann man mit dem gebauten Modell das Arbeiten des größeren Vorbildes nachspielen. Zum Dritten kann man, wenn das Modell nicht mehr gefällt, es wieder zerlegen und kann ein neues bauen. Und das kann man beliebig oft wiederholen.
So steht auf dem Deckelbild der Stabil-Baukästen aus den frühen 20er Jahren der Satz :
Man baut mit Stabil hunderte von Gegenständen, als Bagger, Dampfmaschinen, Brücken, Flugzeuge,Förderwerke, Kraftwagen, Krähne, Motore, Sägemaschinen, Schiffe, Türme, Windmühlen u. besonders Betriebsmodelle aller Art.

Wie die anderen Metallbaukästen auch, so ist der originale Stabil-Baukasten zunächst ein Konstruktionsspiel aus Metallteilen.
Wie die große Mehrheit der Metallbaukästen, enthält der Stabil-Baukasten auch folgende gleichartigen Bestandteile :

Der originale Stabil-Baukasten unterscheidet sich aber von den anderen Metallbaukästen durch die folgenden Eigenschaften :
Im Zeitraum von 1927 bis 1943 unterschied sich das Stabil-System außerdem grundlegend von den Metallbaukästen anderer Hersteller durch die folgenden herausragenden Merkmale :


Der Hersteller

Die originalen Stabil-Baukästen wurden von der Firma Walther & Co, zuletzt Berlin, Harzer Str. 60-63, hergestellt.
Die Firma wurde gegründet von Franz Walther, Zimmermeister, geboren 1860.
Er kam 1903 nach Berlin mit der Absicht, dort Spielzeug herzustellen aus Holz, das bei der Herstellung von Möbeln abfiel.
Schon 1903 wurde ein Baukasten patentiert, der den Kindern das Handwerk des Zimmermanns nahebringen sollte.
1904 folgten Gebrauchsmuster-Anmeldungen für Walther's Ingenieur Bauspiel, einem Metallbaukasten, der damit der erste deutsche Metallbaukasten mit gleichmäßig gelochten Flacheisen, sowie Achsen und Rädern ist.
1906 und 1910 folgten Gebrauchsmuster-Anmeldungen für Holzbaukästen. Es sind von damals aber auch noch ein Schlagballspiel (1910) und Stickkästen (1912-1920) dokumentiert. Baukästen waren eben noch ein Zusatzgeschäft der Firma.
1911 wurde ein Bauspiel mit gleichmäßig gelochten Flach- und Winkeleisen, bei dem Gewindestifte gleichzeitig als Welle, Zug- oder Verbindungsstange Verwendung finden als Gebrauchsmuster angemeldet. Das ist ein erster Hinweis auf Stabil.
Stabil ist die Weiterentwicklung des früheren Metallbaukastens "Walther's Ingenieur Bauspiel". Die neuen Baukästen enthielten noch viele Holzteile, die von dem älteren System übernommen wurden.
"Walther's neues Konstruktionsspiel Stabil", so hieß der neue Baukasten, war außerordentlich erfolgreich. Die Teile waren größer als beim alten "Walther's Ingenieur Bauspiel". Außerdem sorgte die bei Stabil neu eingeführte Schraubbefestigung jetzt für wirklich stabile Modelle.
"Walther's Ingenieur Bauspiel" wurde wegen des Erfolgs von Stabil 1914 eingestellt. Zwar versuchte man mit dem Stabil-ähnlichen, aber kleineren Metallbaukasten Miniatur einen Ersatz zu schaffen, aber dieser blieb immer ein unbedeutendes Nebenprodukt.
Ab 1912 ist die Firma in der damaligen Grünauer Str. 8 (heutige Ohlauer Str.), ab 1919 in der Grünauer Str. 21 zu finden.
Mit dem Jahr 1921 begann eine völlig neue Periode des Stabil-Systems. Erst jetzt wurden die Namen Stabil und Stabil-Baukasten als Warenzeichen gesetzlich geschützt. Das System heißt jetzt Walther's Metallbaukasten "Stabil".
1921 wurden aber auch eine ganze Menge neuer Teile herausgebracht. Zusätzlich wurden die Kästen von ihren Inhalten her völlig überarbeitet und vergrößert.
1925 erschienen die Stabil-Erfinderbaukästen, ein System von Zusatzkästen, die mit den normalen Stabil-Baukästen kombiniert werden sollten. Diese Stabil-Erfinderbaukästen sind einmalig unter allen Metallbaukasten-Systemen.
Des Weiteren wurden die Holzbaukästen komplett neu zusammengestellt.
Firmensitz ist jetzt die Zeughofstr. 3.
1927 wurden die Patentzahnräder herausgebracht, ein Sortiment von Zahnrädern mit exakten Übersetzungsverhältnissen 1:2, 1:3, 1:4.
1930/31 waren wohl die erfolgreichsten Jahre der Firma Walther. Ab 1930 standen der Firma größere Räumlichkeiten in der Harzer Str. 60-63 zur Verfügung. In einem Bastelsaal konnten ganze Schulklassen Modelle bauen. Ein Film über den Stabil-Baukasten wurde gedreht.
In dem langen Zeitraum von 1932-1943, nach dem Tod des Firmengründers Franz Walther, erfolgten kaum mehr Änderungen an Stabil selbst. Dafür erschienen bis 1936 einige Kleinkästen und alleinstehende Themenbaukästen.
1943 wurde die Fabrik bei einem Bombenangriff zerstört.
Ab 1950, nach der Berlin-Blockade, konnte die Fa. Walther den Stabil-Baukasten wieder nach West-Deutschland liefern.
In der folgenden Zeit wurden zwar einige wenige neue Teile entwickelt und in einem Vorlagenheft wurden alle Modelle neu gezeichnet, aber es wurden nur einige Modelle neu hinzugefügt. Die Neuerungen an Stabil waren, ganz im Gegensatz zu den Neuerungen bei den Systemen der Mitbewerber, nur minimal.
So stiegen zwar die Umsätze in den 50er Jahren zunächst. Aber in den 60er Jahren gingen sie, wie bei den anderen Mitbewerbern auch, deutlich zurück. 1970 musste die Produktion der Stabil-Baukästen eingestellt werden.

Franz Walther, der Gründer der Firma Walther & Co, bezeichnete sich selbst nie als Erfinder des Metallbaukastens. Er nannte stets Otto Lilienthal, den Flugpionier, als Erfinder, welcher 1888 ein Patent besaß für einen Holzbaukasten zur ...Herstellung von Modellbauten aus Leisten verschiedener Länge, welche in einer gleichmäßigen Längeneintheilung vielfach gelocht sind...


Die Historie, speziell von Stabil

Spätestens 1911 kam Walther's neues Ingenieur-Bauspiel Stabil auf den Markt. Stabil ist die Weiterentwicklung des früheren Metallbaukastens "Walther's Ingenieur Bauspiel", der bereits 1904 erschien und damit der erste deutsche Metallbaukasten mit gleichmäßig gelochten Flacheisen und mit Rädern ist. Die ersten Stabil-Baukästen enthielten noch viele Holzteile, die von dem älteren System übernommen wurden.
Offensichtlich gab es bei den Kunden Verwechslungen bei den Bezeichnungen für das alte und das neue System. So nannte man bereits 1912 den neuen Kasten Walther's neues Konstruktionsspiel STABIL.

Die Nachfrage an Baukästen übertraf bereits 1913 alle Erwartungen. Man brachte neue Teile und neue Kästen heraus. Mehrere Sonderkästen zum Bau von Eisenbahnwagen erschienen bis 1914. Die Vorlagenhefte enthielten immer mehr neue Modelle. Das System wurde ständig weiter entwickelt. Selbst der erste Weltkrieg konnte daran nicht viel ändern. Ab 1916 hieß das System Walther's neues Metall-Bauspiel STABIL. Ab 1920 gab es die ersten Motore.

Mit dem Jahr 1921 begann eine völlig neue Periode des Stabil-Systems. Erst jetzt wurden die Namen Stabil und Stabil-Baukasten als Warenzeichen gesetzlich geschützt. Das System heißt jetzt ganz offiziell Walther's Metallbaukasten "Stabil".
Bereits 1910 gab es eine deutsche Vertretung des englischen Metallbaukasten-Herstellers Meccano. Im Zuge des 1. Weltkrieges wurde das Vermögen und die Rechte der Fa. Meccano als Feindvermögen beschlagnahmt.
Die Fa. Märklin erwarb 1917 die Meccano-Rechte von der deutschen Regierung, und nach Kriegsende wurde eine eigene Produktion hochgezogen.
Als Reaktion darauf entwickelte Walther eine ganze Reihe neuer Teile und stattete die Kästen mit völlig neuen Inhalten aus. Das neue Stabil-Sortiment von 1921 übertraf, sowohl in der Teileanzahl als auch in der Ausstattung der Kästen, fast alle Produkte der Mitbewerber.

1925 erschienen die Stabil-Erfinderbaukästen, ein System von Zusatzkästen, die mit den normalen Stabil-Baukästen kombiniert werden sollten. Die Kästen vereinigen mehrere besondere Einzelsysteme :
Diese Stabil-Erfinderbaukästen sind einmalig unter allen Metallbaukasten-Systemen.

1927 wurden die Patentzahnräder herausgebracht, ein Sortiment von Zahnrädern mit exakten Übersetzungsverhältnissen 1:2, 1:3, 1:4. Die Vorlagenhefte wurden so überarbeitet, dass die neuen Teile bereits in vielen Modellen verwendet wurden. Außerdem wurden die meisten Räder jetzt aus Messingblech gefertigt, insgesamt wurde die Qualität aller Teile wesentlich verbessert.

1930/31 waren wohl die erfolgreichsten Jahre der Firma Walther. Ab 1930 standen der Firma größere Räumlichkeiten zur Verfügung. In einem Bastelsaal konnten ganze Schulklassen Modelle bauen. Ein Film über den Stabil-Baukasten wurde gedreht.

Nach dem Tod von Franz Walther (1931) wurde die Firma von dessen Sohn Walter Walther weitergeführt. In dem folgenden langen Zeitraum von 1932-1943, erfolgten kaum mehr Änderungen an Stabil selbst. Dafür erschienen bis 1936 einige Kleinkästen und alleinstehende Themenbaukästen.
Die Kleinkästen Knirps 1 und Knirps 2 waren eine Reaktion auf die kostengünstigen Trix-Baukästen.
Daneben gab es noch die etwas größeren Kleinkästen 46 und 48, welche wegen der Weltwirtschaftskrise den Niedrigpreis-Bereich abdecken mussten.
Ebenfalls kamen noch zwei von Franz Walther konzipierte Metallbaukästen für Mädchen, die Stabila-Baukästen, auf den Markt.
Auf Anregung der damaligen Machthaber wurden die Kanonenbaukästen zusammengestellt.
Es ist erwähnenswert, dass Walther die Symbole der damaligen Machthaber in keiner Reklame verwendete, was von inländischen Mitbewerbern nicht gesagt werden kann.
1936 kamen die Kästen 49M und 50M hinzu. Es handelt sich dabei um die kleinen Kästen 49 und 50, die mit einem Federmotor ausgestattet wurden. Danach gab es keine neuen Kästen mehr.

Ab 1950, nach der Berlin-Blockade, konnte die Fa. Walther den Stabil-Baukasten wieder in West-Deutschland verkaufen. Die ehemaligen ostdeutschen Märkte waren allerdings verloren. Dass Walther keine Spielzeug-Eisenbahnen vertrieb, erwies sich jetzt als nachteilig. Denn die Händler bevorzugten Hersteller, die Modellbahnen und Metallbaukästen gemeinsam lieferten.
Weiterhin waren die Neuerungen an Stabil, ganz im Gegensatz zu den Neuerungen bei den Systemen der Mitbewerber, nur minimal. Nur wenige neue Teile wurden entwickelt. In einem neuen Vorlagenheft wurden zwar alle Modelle neu gezeichnet, aber nur einige neu hinzugefügt.
So stiegen zwar die Umsätze in den 50er Jahren zunächst. Aber in den 60er Jahren gingen sie, wie bei den anderen Mitbewerbern auch, deutlich zurück. 1970 musste die Produktion der Stabil-Baukästen eingestellt werden.


Die Historie der anderen Produkte der Firma Walther

Außer Stabil wurden von der Firma Walther noch andere Baukästen hergestellt.


Die Nummern der Produkte der Firma Walther

NummernKästenZeit
00,0-3Alter Record, 15mm Lochabstand1906-1925
4,200-203Alter Record, 20mm Lochabstand1906-1925
8-13Walther's Ingenieur Bauspiel1904-1914
20-21,20aMetallbaukasten Miniatur1914-1943
30/1-3Alter Maschinenbaukasten, 15mm Lochabstand 1910-1920
30/4Alter Maschinenbaukasten, 20mm Lochabstand 1910-1920
40-41,40aNeuer Maschinenbaukasten1921-1927
46Stabil Kleinkasten1932-1943
46a/K2aStabil Ergänzungskasten 46 nach 48 1932-1943
46KMStabil Kanonenbaukasten mit Federmotor 1934-1943
47Stabil Kleinkasten, nur aus Dänemark bekannt 1931-?
47KMStabil Kanonenbaukasten mit Federmotor 1935-1943
48Stabil Kleinkasten1931-1970
48aStabil Ergänzungskästen 48 nach 491932-1970
48MStabil Kleinkasten mit Federmotor1934-1970
49-53Stabil Grundkästen1911-1970
49a-54aStabil Ergänzungskästen1911-1970
49b-55b*Stabil Aufstockung altes auf neues System 1921-192?
49M, 50MStabil-Grundkästen mit Federmotor 1936-1970
54-55Stabil Großkästen1912-1943
56Stabil Erfinderbaukasten1927-1943
57-58Stabil Erfinderbaukästen1925-1943
59-63Stabil Eisenbahnwagen-Baukästen1912-1915
81Walther's Ingenieur 11, französisch?-1914
100-106Neue Record Holzbaukästen1925-1943
101a-105aNeue Record Ergänzungskästen1925-1943
Knirps 1-2Kleinkästen als Reaktion auf Trix 1932-1943
K1aErgänzungskasten Knirps 1 nach Knirps 2 1932-1943
Stabila 1-2Metallbaukasten für Mädchen 1933-1943
Die bisher bekannt gewordenen Nummern und Produktionsjahre der Baukästen sind in der Tabelle rechts zusammengefasst.

Die Stabil-Baukästen hatten in den 50er Jahren eine Nummerierung von 48 bis 53. Das erscheint ungewöhnlich, ist aber leicht zu erklären.
Die Firma Walther fertigte bereits ab 1904 schon Baukästen, u.a. Holzbaukästen, denen bereits die Nummern 1 bis 4 zugeordnet waren. Den neueren Baukastenentwicklungen gab man eine höhere Nummer, beginnend bei einer 10er-Stufe. Bei Stabil begann man so bei der Nummer 50 für den damals kleinsten Kasten. Größere Kästen bekamen dann die darauf folgenden Nummern. Als später kleinere Kästen als der mit der Nummer 50 von den Händlern gewünscht wurden, gab man denen kleinere Nummern, z.B. 49.
Für besondere Stabil-Baukästen gab es auch Nummern unter 48 und über 55.

Die Praxis, allen Baukästen eine eigene identifizierende Nummer zu geben, wurde in den 30er Jahren unterbrochen. Bei Stabila, bei Knirps und bei den Motoren vergab die Firma Walther keine solche generelle Nummer mehr. Es gab in diese Fällen z.B. die Bezeichnungen Stabila 1 und Stabila 2.

* Nur Kästen 52b und 53b sind bisher gefunden worden. 1921 wurde das Stabil-System grundlegend umgestellt. Ein neuer Kasten 52 enthielt viel mehr Teile als ein alter. Der Kasten 52b ergänzte einen Kasten 52 des Systems von vor 1920 zu einem Kasten 52 des neuen Systems ab 1921. Die Aufstockungskästen gab es vielleicht bis 1924.

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