Stabil : Flacheisen

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Allgemeine Informationen zu den Flacheisen

Die Flacheisen hatten bei Stabil die Teilenummer 1.
Zusätzlich musste man immer noch die Lochanzahl angeben. Sogar die doppelt gelochten Flacheisen liefen unter der Teilenummer 1.
Erst 1958 wurden eindeutige Nummern für jedes Flacheisen vergeben. So hieß das 2-Loch-Flacheisen nun 1/2. Hinter dem Schrägstrich steht die Lochanzahl. Den doppelt gelochten Flacheisen gab man die Nummern 1/11D und 1/25D.

Die wichtigste Eigenschaft der Stabil Flacheisen ist ihr Lochabstand von 12.5 mm.
Anhand dieses Lochabstandes kann ein Stabil Flacheisen von den entsprechenden Teilen anderer Hersteller unterschieden werden.
Die Flachbänder von Märklin und die "Perforated Strips" von Meccano haben alle einen Lochabstand von 1/2 Zoll oder genau 12.7mm.
Andere Hersteller haben Lochabstände von 10mm (Eitech/Construction, Merkur), aber auch 12.8mm (Scheffler) und 13mm (Mekanik) sind bekannt. Selbst die Firma Walther lieferte Flacheisen mit einem Lochabstand von etwa 10.3mm für ihr erstes System "Walther's Ingenieur Bauspiel" und mit einem Lochabstand von 10mm für ihr System "Miniatur" - ganz abgesehen von Walther's Holzbaukästen, bei denen wieder andere Lochabstände (Kaliber) gültig waren.

Anhand des folgenden Bildes bestimmt man den Lochabstand eines 11-Loch-Flacheisens :

Flacheisen
Zwischen den beiden senkrechten schwarzen Strichen befinden sich genau 10 Lochabstände, die zusammen 125mm ergeben. Damit ist ein Lochabstand genau 12.5mm.
Bereits bei einen 5-Loch-Flacheisen ist der Unterschied zwischen einem Stabil-Teil und einem Märklin-Teil eindeutig feststellbar, wenn man die beiden Teile exakt übereinander legt.

Das Bild oben zeigt 11-Loch-Flacheisen aus verschiedenen Zeiten.


Das folgende Foto zeigt die Stabil-Flacheisen des Jahres 1960. Das Flacheisen von 25 Loch Länge wurde nicht mit auf das Bild genommen. Es gibt ein ein anderes Bild dafür. Die Flacheisen der Jahre 1921-1939 und 1950-1970 sahen gleich aus.
Leider können die Bilder den Glanz der Teile nicht vermitteln. Die Fotos wurden außen unter bedecktem Himmel aufgenommen. Die Teile reflektieren die Farbe des bedeckten Himmels.

Stabil Flacheisen von 1960

Alle Stabil Flacheisen haben folgende gemeinsame Eigenschaften
Aus dem Aussehen der gefundenen Teile können Rückschlüsse auf deren Herstellung gezogen werden. Die Teile wurden demnach von Streifenmaterial in der benötigten Länge abgekantet. Die Enden bekamen dabei gleich ihre Abrundung, und auch die Löcher wurden dabei eingestanzt. Der Bogen an den Enden geht nicht fließend in die Längsseiten über, sondern man erkennt dort deutlich einen stumpfen Winkel. Jedes Flacheisen hat vier solche Winkel. Nach dem Stanzen wurden die Flacheisen galvanisch vernickelt.
Vor 1921 wurden Flacheisen aber auch als Ganzes aus Blechplatten gestanzt - als eine alternative Herstellungsmethode.

Die Flacheisen sind fast immer vernickelt. Das Verfahren entsprach immer dem Stand der damaligen Technik. Das Aussehen der Oberflächen wird unten näher erklärt.
Um etwa 1936 wurde die Art der Vernickelung für wenige Jahre geändert. Wahrscheinlich waren die Teile plattiert. Die neue Oberflächenbeschichtung ist an unbenutzten Teilen nicht von der bisherigen Galvanisierung zu unterscheiden. Man erkennt sie aber an der etwas anderen Art der Korrosion. Das glänzende Oberflächenmaterial wölbt sich blasenartig, der Blasendurchmesser ist bist etwa 3mm Ø. Bei Beanspruchung blättert das aufgewölbte Material ab. Darunter erkennt man eine dünne schwarze Schicht über dem Trägereisen (Bild).

In Zeiten, in denen gewisse Materialien rationiert waren, um die Kriegszeiten herum also und kurze Zeit danach, wurden die Flacheisen nicht vernickelt. Bei Stabil sind das die Zeiträume 1914-1920 und 1941-1943. Es gab in diesen Zeiten andere Oberflächenbehandlungen, z.B. verzinnen, verzinken, phosphatieren, brünieren. Manchmal waren die Teile auch gänzlich unbehandelt. Im Zeitraum 1941-1943 wurde verzinkt und brüniert, wobei seltenere Flacheisen auch unbehandelt in die Kästen gelegt wurden.

Aus den End-60er Jahren ist noch eine andere Art der Oberflächenbehandlung bekannt. Die Teile sind stark glänzend vernickelt. Wenn man diese Teile jedoch biegt, bricht der glänzende Nickel-Überzug (Dicke 0.03mm) auf oder löst sich vom Eisenblech (Bild). Gefunden wurde diese Oberflächenbehandlung bisher bei einzelnen Flacheisen 1/11, 1/15, 1/25 und den Teilen 1a/25, 1c, 1d, 19, 35b, 43, 43a. Besonders stört es an Teil 43a.


Flacheisen vor 1925, speziell ab 1915

Die Zeit von 1921 bis 1925 ist noch relativ klar zu beschreiben. Es wurde wieder vernickelt. Die neuen Flacheisen hatten keine völlig runden Ecken mehr - sie wurden von Streifenmaterial abgestanzt, danach erst vernickelt. Ihre Breite liegt bereits mehrheitlich bei 12.3mm. Man findet aber noch vereinzelt vernickelte Flacheisen mit Breiten von 12.5mm. Die Lochdurchmesser liegen bei 4.05mm.
Restbestände aus Kriegszeiten, insbesondere 2-Loch, 4-Loch- und 6-Loch-Flacheisen wurden konsequent aufgebraucht. Diese Restbestände sind aus unbehandeltem Eisen, mit abgerundeten Enden und mit einer Breite von 12.5 bis 12.7mm.

Vor 1921 gab es, wie bei den meisten anderen Stabil-Teilen auch, eine große Anzahl von Varianten. Die Teile unterscheiden sich nicht nur in der Art der Fertigung, der Oberflächenvergütung, der Qualität der Herstellung. Auch in den Abmessungen gibt es merkliche Unterschiede.
Dabei ist der mittlere Lochabstand noch am genauesten : Er liegt zwischen 12.45mm bis 12.7mm, wobei eine Häufung bei 12.56mm auffällt. Viele Teile, insbesondere in den frühen 10er Jahren zeigen 12.6mm Lochabstand.
Die Breiten gefundener Teile schwanken zwischen 11.8mm bis 14.3mm. Die meisten Teile haben eine Breite von etwa 13mm, aber es hat auch größere Chargen mit Breiten um 12.3mm gegeben.
Die Löcher in den Flacheisen können, je nach Charge und Zeitraum, recht unterschiedliche Durchmesser haben. 3.9mm bis 4.3mm wurden als Lochdurchmesser gefunden.
Aber diese Abweichungen sind nicht ungewöhnlich für alle Metallbaukästen der damaligen Zeit. So hat Jürgen Kahlfeldt einen Meccano-Märklin-Kasten mit vernickelten Teilen untersucht. Er fand bei den einzelnen Flachbändern Lochabstände zwischen 12.55mm bis 12.73mm. Bei den Teilebreiten ergaben sich Werte zwischen 12.7mm und 13.3mm.

In den Kästen von 1915 bis Ende 1920 findet man keine vernickelten Flacheisen. Die Vielfalt der gefundenen Teile aus dieser Zeit ist jedoch enorm. Offensichtlich wurden die Teile von mehreren Zulieferern bezogen, die jeweils unterschiedlich fertigten. Es ist von Kleinserien auszugehen, die in kleineren Werkstätten angefertigt wurden. Es ist klar zu erkennen, dass einige Teile nicht besonders genau gearbeitet sind.
Bei der Herstellung wurden die Flacheisen nicht nur von Streifenmaterial abgestanzt. Alternativ wurden die gängigen Flacheisen auch aus Blechplatten herausgestanzt. Man benötigte dazu für jede Länge eine eigene Stanzform. Diese Flacheisen erkennt man insbesondere an den sorgfältig abgerundeten Enden, die stetig und ohne Winkel in die Seitenränder übergehen. Man findet sie bei Flacheisen von 2-Loch bis 15-Loch. Leider haben gerade diese Flacheisen häufiger Grate, Durchbiegungen, ungenaue Lochpositionen usw. Bei genauer Beobachtung kann man erkennen, wie bei einer Sorte von Flacheisen ein bestimmter Stanzfehler immer wieder in der gleichen Art vorkommt. Am Anfang (etwa 1914) waren diese Teile von besserer Qualität. Später, als die Stanzformen abgenutzt waren, wurden auch die Teile schlechter.

Nicht nur verschiedene Herstellungsmethoden, sondern auch unterschiedliche Oberflächenbehandlungen sind aus dieser Zeit bekannt. Einige Teile sind unbehandelt blank. Andere sind verzinkt, wobei das Zink zum großen Teil abgegangen ist. Anscheinend wurde Verzinken durch Eintauchen in Flüssigzink um 1919 oft gewählt - man findet an diesen Teilen deutliche Tropfnasen. Aber auch vermessingte Teile sind schon gefunden worden. Weitere Teile sind dunkelgrau, ähnlich wie bei den Teilen der 40er Jahre, von denen sie sich jedoch durch die andere Breite und die weniger gute Fertigungsqualität (Stanzgrate) leicht unterscheiden lassen. Die Teile der 40er Jahre haben jedenfalls eine sehr gute Qualität.

Die letzten Kriegsteile vom 1. Weltkrieg wurden bis etwa 1924 in die Kästen gegeben. Dazu zählen die 2-Loch-, die 4-Loch- und die 6-Loch-Flacheisen. Bei Walther wurde nichts weggeworfen, sondern immer alles aufgebraucht.

Das folgende Bild zeigt einige der typischen Mängeln an den Teilen aus den Jahren 1917-1920 (Ende erster Weltkrieg und kurz danach).

Fehler bei Flacheisen der 10er Jahre In der oberen Reihe sehen wir zwei Flacheisen, bei denen die Oberflächenbeschichtung abgegangen ist. Ich vermute, die aufgebrachte Zinkschicht wurde chemisch angegriffen und teilweise aufgelöst. Diese Art der Ablösung wurde bei Teilen der 40er-Jahre nicht gefunden.

Die mittlere Reihe zeigt uns Teile mit deutlichen Stanzfehlern. Links sehen wir die Unterseite und rechts die Oberseite eines 6-Loch-Flacheisens sehen, das in einem Kasten von 1920 gefunden wurde. Die Teile sehen aus, als ob man sie von Hand ausgestanzt hätte und dabei eher nach Augenmaß gewerkelt hätte, anstatt mit genauen Lehren. Wahrscheinlich handelte es sich bei diesen Teilen um eine notwendige Nachfertigung, weil die entsprechenden Längen ausgegangen waren. Die meisten Flacheisen von 1915-1920 zeigen jedoch keine derartigen Stanzfehler.
Manche Flacheisen mit runden Enden sind durch das Stanzen der Löcher leicht gewölbt. An der Unterseite (im Bild links) sieht man deutlich einen Grat um das Loch. Sowohl Wölbung als auch Grat sind in den 10er Jahren relativ häufig anzutreffen.

In der unteren Reihe sehen wir, dass die Breite der Flacheisen nicht immer gleich war. Das linke Teil ist 13.4mm breit, das rechte nur 12.1mm. Aus den frühen 10er Jahren sind insbesondere 11- und 15-Loch Flacheisen mit Breiten bis über 14mm bei Materialdicken um 0.7mm bekannt. Jürgen Kahlfeldt hat Breiten zwischen 11.8mm und 14.3mm gefunden. Genauere Zeitangaben zu den verschiedenen Breiten sind nicht möglich, da die einzelnen Chargen (auch verschiedener Zulieferer) bereits vor dem Auffüllen der Kästen vermischt wurden. Erst 1925 wurde die einheitliche Breite von 12.3mm durchgehend eingeführt.
Ich kenne kein Modell in den Vorlagenheften aus den 10er Jahren, bei dem 2 Flacheisen direkt nebeneinander an einem senkrecht dazu stehenden Flacheisen verschraubt sind. Deshalb war eine exakte Festlegung der Breite des Flacheisens noch nicht notwendig.

Flacheisen von 1916 Das Bild links zeigt Flacheisen von 1916. Die Flacheisen verschiedener Länge eines einzigen Kasten können von völlig unterschiedlicher Qualität sein.
So findet man einerseits sehr genau gefertigte, wirklich ebene und gratfreie Flacheisen mit exakter Einhaltung des Lochabstandes und einer gleichmäßigen Breite von 13mm in einem Kasten.
Daneben liegen aber Flacheisen mit schweren Stanzfehlern, mit ungleichmäßig abgekanteten und unbearbeiteten gratigen Enden (im Bild oben), mit ungleichmäßig gestanzten gratigen Löchern. Selbst leicht bogenförmige Teile wurden gefunden. Sogar Teile, bei denen die Stanze erst beim zweiten Schlag das Blech durchtrennte, wurden nicht ausgesondert (im Bild rechts unten).
Auch der Lochabstand wurde bei einigen Flacheisen nicht genau eingehalten. Er häuft sich bei 12.6mm, wobei auch Werte von 12.4mm bis 12.7mm gefunden wurden.
Die Dicke des Materials ist bei einigen Chargen nur 0.55mm. In einem dänischen Kasten 53 von etwa 1916, hergestellt für Illum, waren alle Flacheisen nur 0.5mm dick. So dünnes Material wurde sonst nie mehr gefunden. Man nahm eben, was gerade verfügbar war.

Bei manchen Flacheisen der 10er Jahre wurde für die Löcher ein Durchmesser von nur 3.9mm ermittelt. Diese Löcher sind in den Flacheisen und Winkeleisen immer leicht gratig. Eine Märklin-Achse von 4mm Ø passt nicht durch, die noch dickere Meccano-Achse schon gar nicht. In diesen kleinen Löchern haben die Gewindestifte nur ganz wenig Spiel. Es gibt nur wenig Teile mit diesen kleinen Durchmessern, was darauf hindeutet, dass sie nur über einen kurzen Zeitraum hergestellt wurden. Es wurden außerdem einige wenige Gewindestifte von nur 3.7mm Durchmesser gefunden, welche die gleiche Gewindesteigung aufweisen wie die normalen Gewindestifte. Das lässt vermuten, dass Walther mit diesen kleineren Achsdurchmessern eine Zeit lang experimentiert hat. Es ist jedoch zu wenig Material vorhanden, um eine genaue Zeitangabe zu liefern. Es müsste irgendwann zwischen 1915 und 1918 gewesen sein.


Flacheisen bis 1914

Flacheisen von 1914
Bis Ende 1914 waren die Flacheisen hochglänzend vernickelt. Oben sehen Sie Teile von 1914. Manche dieser Teile haben ihren Glanz bis heute nicht eingebüßt. Die hier gezeigten Teile sind im Mittel 12.8mm breit. Aber auch Teile mit einer Breite von nur 12.2mm sind aus dieser Zeit bekannt. Allein an ihrer Breite sind sie also nicht von Teilen aus späteren Zeiten zu unterscheiden. Die Flacheisen sind 0.9mm dick.

Ende eines Flacheisens von 1914 Es gibt zwei Herstellungsverfahren für die Teile aus der Zeit vor 1915. Die Teile wurden zur gleichen Zeit nach diesen Verfahren produziert und auch miteinander vermischt, bevor sie in die Kästen einsortiert wurden.

Bei dem einen Herstellungsverfahren wurden die Teile von einem rundum vernickeltem Streifenblech abgekantet. Die Enden dieser Teile sind nicht vernickelt (siehe im Bild links). Die Rundung und die Längsseite bilden einen stumpfen Winkel. Die Löcher sind innen auch nicht vernickelt. Besonders an den beiden Enden von Flacheisen mit damals weniger gebräuchlichen Längen (4, 6, 15, 25 Loch) sind diese Spuren zu erkennen.

Bei dem zweiten Herstellungsverfahren wurden die Teile als Ganzes aus einer Blechplatte ausgestanzt und anschließend erst vernickelt. Diese Teile zeigen sauber abgerundete Enden, bei denen die Rundung ohne Winkel in die Längsseiten übergeht (im Bild rechts).

Vernickelte Teile aus späteren Zeiten haben immer den stumpfen Winkel (wie bei dem Teil links im Bild). Sie sind aber auch an den Enden vernickelt und haben Breiten von 12.3mm (+-0.2mm).

Vereinzelt wurden auch vermessingte Flacheisen gefunden. Eine zeitliche Einordnung dieser Teile ist gegenwärtig nicht möglich, denn es sind nur ganz wenige bisher gefunden worden.

Das folgende Bild zeigt Flacheisen, die wahrscheinlich von 1911/1912 sind. Ihr Zustand war beim Auffinden nicht optimal. Die Nickeloberfläche war bereits fast völlig abgeblättert. Sie sind entrostet worden. Stellen Sie sich diese Teile hochglänzend vernickelt vor. Foto : Jürgen Kahlfeldt.
Es wurde bei einigen dieser Uralt-Teile beobachtet, dass sich die Oberflächenschicht blasenartig ablöste und in kleinsten Flitterstückchen abblätterte.
Warum dieser Effekt auftritt, ist nicht bekannt. Das galvanische Vernickeln war noch in der Entwicklung; erst 1916 gelang der Durchbruch. Plattieren von Metall war dagegen damals noch eine erprobte, aber teurere Technik der Oberflächenvergütung.
Die Breite der hier gezeigten Teile liegt mehrheitlich bei 13.1mm, wobei in einem Kasten Exemplare mit Breiten von 12.6-14.3mm enthalten waren. Das Material ist etwa 0.7-0.9mm dick.

Flacheisen von etwa 1912
Ein weiterer Fund, ein Kasten 52 aus der Zeit von 1911/1912, enthält Flacheisen, die alle 14.1mm breit sind. Sie sind an allen Kanten angerostet - an den Längsseiten, Endbögen und in den Bohrungen.
Aufgrund von Fehlstanzungen kann auf den folgenden Herstellungsprozess für diese Flacheisen geschlossen werden
Leider sind nur recht wenige aussagefähige Kästen aus der damaligen Zeit noch verfügbar. Einzelne bekannte Sammler haben die Teile ihrer Kästen nachvernickeln lassen, was den entsprechenden Kasten für die historische Nachforschung diesbezüglich nutzlos macht.


Lassen Sie Stabilteile nicht nachvernickeln !

Heutige Vernickelung ist hochglänzend, so dass man sich darin fast spiegeln kann. Sie hat einen weißen bis bläulichen Schimmer.
Nur in den Jahren bis 1914 wurde auf Stabilteilen eine Vernickelung aufgebracht, die fast das Spiegelungsvermögen heutiger Vernickelungen zeigt. Die alten Teile hatten aber einen gelblichen bis rötlichen Schimmer, der bei heutiger neuer Vernickelung absolut fehlt. Diese damalige Vernickelung war jedoch nicht dauerhaft, wenn Handschweiß dazu kam. Wenn das Teil mehrfach bespielt wurde, blätterte die Vernickelung als Flitterstückchen (ca. 1mm²) mehr und mehr ab.
Erst 1916 fand man Vernickelungsverfahren, die eine dauerhaftere und wirtschaftlichere Vernickelung ermöglichten. Für Stabil wurde diese ab 1921 verwendet. Die nach dem neuen Verfahren vernickelten Teile zeigen kaum mehr spiegelnde Eigenschaften. Ein neben dem Teil liegender Gegenstand wird nur noch so gespiegelt, dass man dessen Umrisse in der Spiegelung nur noch ganz grob erkennen kann. Noch matter sind die Vernickelungen der 30er Jahre. Auffällig ist der gelbe Schimmer, den die Teile der 20er und 30er Jahre zeigen [Nickel plating].
In den 50er und 60er Jahren wurde der Glanz wieder etwas heller, der Schimmer ist ganz schwach rötlich. Das Spiegelungsvermögen der 10er Jahre wurde nicht mehr erreicht. Die originalen Teile der 50er und 60er Jahre sind aber immer noch deutlich matter als in heutiger Zeit vernickelte Teile.
Wenn Sie also wirklich originalgetreu nachvernickeln wollen, müssen Sie einen Galvaniseur finden, der die zeitgenössischen Vernickelungsbäder bereitstellen kann, und der die damals verwendeten Verfahren nachvollziehen kann.
Wenn Sie aber nur nachvernickeln wollen, weil Sie die Rostrelikte nicht mehr sehen können und danach die vernickelten Teile nur zum Bauen - nicht aber zum Auffüllen älterer Kästen - verwenden, so ist da nichts einzuwenden.

Bedenken Sie auch, dass in den frühen 10er Jahren mit verschiedenen Arten von vernickelten Blechen, etwa einseitig vernickeltem Blech, experimentiert wurde. Am Anfang der 10er Jahre stand die Technik das galvanische Vernickeln noch in den Kinderschuhen. Dagegen war das Plattieren ein erprobtes Verfahren zur Oberflächenvergütung. Bei der Plattierung wurde die dünne Nickelschicht auf das Eisen aufgewalzt. Die aufgebrachte Schicht ist hochglänzend. Teile, die nur wenig mit Handschweiß in Berührung kamen, glänzen auch heute noch hell. Plattieren war aber teurer als galvanisches Vernickeln. Deshalb wählte man immer mehr die neuere Galvanisierung.

Geben Sie die Teile auch nicht zum Verzinken. Weil manche Menschen auf Nickel allergisch reagieren, sind die Hersteller von Metallbaukästen oft zur Verzinkung übergegangen.
Allerdings sind diese Zink-Oberflächen sehr empfindlich gegen saure oder salzhaltige Luft. Sie reagieren aber auch auf Handschweiß. Die Zink-Oberfläche dieser Teile oxidiert leicht und wird dann matt grau. Es bilden sich Zinkoxid und Zinkkarbonat.
Selbst das Lagern verzinkter Teile in Holzkästen kann schon zu dieser Oxidation führen, da das Holz manchmal saure Gase (meist Essigsäure) freisetzt [Lane].
Verzinkte Teile (Meccano, Trix) also immer in Plastikkästen aufheben !!!

Sie sollten Stabil-Teile aus Metall (also nicht solche aus Stoff, Plastik, Holz oder Gummi) von Zeit zu Zeit mit einem Lappen leicht einölen. Das beugt wirksam vor. Ein total sicheres Verfahren gegen Korrosion ist es aber nicht.


Warnung !

Mancher Sammler hat Stabil Kästen der später 10er Jahre mit Teilen aus Märklins Marbi System aufgefüllt. Die Marbi-Teile sind unbehandelt grau, haben auch vollständig abgerundete Enden und sind 12.7mm breit. Aber sie haben exakt einen Lochabstand von 12.7mm, was sie eindeutig von den Stabil-Teilen unterscheidet. Das System Marbi stammt aus den 30er Jahren, einer Zeit, wo man schon industrielle Massenfertigung der Teile betrieb mit einer höheren Qualität als die handwerkliche Fertigung der 10er Jahre.
Legen Sie ein Märklin-Teil und ein Stabil-Teil übereinander, so dass die Anfangslöcher genau übereinander liegen. Bereits 5 Löcher weiter sind die übereinander liegenden Löcher um einen Millimeter versetzt. Das ist ohne Mühe zweifelsfrei zu erkennen.

Aber auch graue oder verzinkte Stabil-Flacheisen der 40er Jahre wurden gerne von Sammlern verwendet, um ihre Kästen der 10er Jahre aufzufüllen. Die folgende Tabelle fasst die Unterschiede zusammen.
Teile der 40er Jahre Teile der 10er Jahre
Breite genau 12.3mm Breite anders als 12.3mm
die hellen matten Teile sind kaum fleckig hellere Teile haben großflächige Flecken
die dunkelgrauen Teile sind eben, aber rau Teile sind gewölbt oder hügelig, aber glatt
immer mit 4 Winkeln an den Enden meist mit vollständig abgerundeten Enden
präzise Maschinenfertigung oft ungenaue Kleinserienfertigung

In Zweifelsfällen ist oben nachzulesen.

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