Inhalt der alten Record Holzbaukästen bis 1925

Den alten Record Holzbaukasten gibt es in zwei verschiedenen Klotzgrößen. Ein Kasten enthält entweder nur die kleineren Bauklötze oder nur die größeren Bauklötze. Bei der kleineren Bauklötzen ist der Lochabstand 15mm, bei den größeren ist er 20mm. Der Querschnitt der Klötze ist 15*15mm bei den kleineren und 20*20mm bei den größeren. Die Firma Walther spricht vom kleinen und vom großen Kaliber. Die Bauklötze des kleinen Kalibers passen nicht zu den Bauklötzen des großen Kalibers.
Auch in den Durchmessern der Löcher unterscheiden sich die beiden Kaliber. Die Löcher und Stäbchen der kleinen Teile haben einen Durchmesser von 4.8mm, die der großen Teile einen von 5.7mm. In Prospekten der Fa. Walther aus den 20er Jahre werden Durchmesser von 5mm bzw. 6mm genannt - man nahm es wohl nicht so genau. Die Rundstäbchen sind zwangsläufig beim großen Kaliber etwas länger als beim kleinen Kaliber.

Im Folgenden finden Sie also 2 getrennte Tabellen, für das große Kaliber die erste, für das kleine Kaliber die zweite. Es werden in den Tabellen die gleichen Teile aufgelistet. Je nach Kaliber unterscheiden sich diese in ihren Abmessungen.

In den folgenden Tabellen finden Sie Spalten mit der Bezeichnung "Liste", "Fund" oder "Gez." und einer Kastennummer darunter.

In einer Spalte mit dem Titel Liste sehen Sie Angaben von der Rückseite des Kastendeckels eines gefundenen Kastens. Die Nummer des Kastens selbst wurde aus den Maßen der Verpackung ermittelt und ist deshalb nicht absolut sicher.

Bei den Spalten mit dem Titel Fund wurden die Daten von J. Kahlfeldt übernommen. Die Nummer des Kastens wurde aus Vergleichen mit anderen Kästen und aus Angaben in Prospekten ermittelt.

Die Spalten mit dem Titel Gez. (gezählt) enthalten Angaben über Teileanzahlen, die direkt aus den Prospektbildern von 1914 abgezählt wurden. Zu manchen Teilen ist leider aus den Bildern nur wenig zu ersehen, etwa weil diese Teile auf den Bildern durch andere Teile verdeckt sind (z.B. Rundstäbchen, Achsstifte). Bei solchen Teilen fehlt dann die Zahl im Kästchen. Zur Teilemenge der größeren Kästen ist aus den Bildern keine verbindlichen Aussagen machbar. Überhaupt können die Angaben in diesen Spalten nur als Schätzung angesehen werden, keinesfalls jedoch als gesichert. Zu Kästen, zu denen sogar die Bilder fehlen, können natürlich keine Angaben gemacht werden.

Bei den leeren Feldern in den Tabellen ist die Anzahl der Teile im betreffenden Kasten nicht bekannt oder wurde nicht erfasst.

Eine Abbildung der Teile ist auch auf der Innenseite eines älteren Kastendeckels (wahrscheinlich 203/2) gefunden worden. Die Teile sind vom großen Kaliber. Auch ein Bild mit allen Teilen des kleinsten Kastens 00 (kleines Kaliber) wurde in einem besonderen Vorlagenheft gefunden.

Die Daten der Spalte Abmessungen sind Mittelwerte aus Tabellen von Jürgen Kahlfeldt. Die Maße der gefundenen Teile weichen bis zu +-1mm davon ab.


Die Teile des großen Kalibers

Nr. Namen der TeileAbmessungen Liste 1
203/2 alt
Liste 2
203/1
Fund
4/3
Gez.
200
Gez.
201
Gez.
202
a Langstäbe 15 Loch lang300*20*10 224002
b Quadratstäbe 7 Loch lang140*20*20 224000
c Quadratstäbe 5 Loch lang100*20*20 224222
d Quadratstäbe 3 Loch lang60*20*20 448222
  Quadratstäbe 2 Loch lang40*20*20 024011
  Würfel 1 Loch lang20*20*20 024122
e Große Platten140*100*20 112001
f Platten mit 3 Loch60*60*20 224122
g Kleine Platten mit 1 Loch30*30*20 112111
h Dünne Platten mit 1 Loch30*20*10 112 11
i Dünne Platten mit 2 Loch40*20*10 112111
r Große Räder 64mm, 1 Loch61Ø*10 212011
r Große Räder 64mm, 3 Loch61Ø*10 012011
s Kleine Räder 43mm, 1 Loch47Ø*10 436113
s Kleine Räder 43mm, 3 Loch47Ø*10 012111
  Antriebsscheiben26Ø*12 012111
  Antriebsrollen13Ø*15 012111
  Stellringe13/6Ø*7 024122
t Achsstifte5.5/12Ø*40/46 55102  
u Hammer von Holz63*32*25.6 111111
w Eisenstift4.2Ø*123 1111  
1 Rundstäbchen 30mm lg.  1515308  
2 Rundstäbchen 40mm lg.  1515308  
3 Rundstäbchen 60mm lg.  1515306  
4 Rundstäbchen 80mm lg.  1515306  
5 Rundstäbchen 100mm lg.  55102  
6 Rundstäbchen 180mm lg.  3483  
7 Rundstäbchen 200mm lg.  3483  
8 Rundstäbchen 250mm lg.  224002
  Bauanleitung (48 Seiten)220*131 111   

Die Werte in den Spalten "Liste 1" und "Liste 2" wurden den Inhaltslisten auf den Rückseiten der Kastendeckel von zwei gefundenen Kästen entnommen. Die Angaben sind unterschiedlich. Die beiden gefundenen Kästen enthalten aber - bis auf kleine, unbedeutende Abweichungen - die gleichen Teile. Der Inhalt beider Kästen entspricht weitestgehend Liste 2.
Es wird deshalb gefolgert, dass die "Liste 1" eine frühere Version des gleichen Kastens beschreibt.
Bemerkenswert ist weiterhin, dass die beiden Kästen, obwohl die Anzahl der enthaltenen Teile fast gleich ist, sich unterscheiden in den Abmessungen der Verpackung und der völlig andersartigen Einordnung der Teile darin. Die Verpackung des Kastens nach "Liste 2" stimmt mit keinem der bekannten Prospekt-Bilder überein.


Die Teile des kleinen Kalibers

Nr. Namen der TeileAbmessungen Fund
1/1alt
Fund
1/1
Fund
2/1mit
Liste
3/1
Liste
00alt
Gez.
00
Gez.
0
Gez.
1
Gez.
2
a Langstäbe 15 Loch lang225*15*7 2244 00022
a Langstäbe 11 Loch lang  0000 00200
b Quadratstäbe 7 Loch lang105*15*15 0024 00002
c Quadratstäbe 5 Loch lang75*15*15 2224 22222
d Quadratstäbe 3 Loch lang45*15*15 0288 22224
  Quadratstäbe 2 Loch lang30*15*15 0144 00012
  Würfel 1 Loch lang15*15*15 0244 01122
e Große Platten105*75*15 1112 00111
f Platten mit 3 Loch45*45*15 2244 11222
g Kleine Platten mit 1 Loch25*25*15 1112 11112
h Dünne Platten mit 1 Loch25*15*5 0122 0   1
i Dünne Platten mit 2 Loch30*15*5 0122 0  11
r Große Räder, 1 Loch46Ø*8 2122 00111
r Große Räder, 3 Loch46Ø*8 0122 00111
s Kleine Räder, 1 Loch37.5Ø*8 4166 21133
s Kleine Räder, 3 Loch37.5Ø*8 0322 01111
  Antriebsscheiben20Ø*10 0122 01111
  Antriebsrollen11Ø*12.5 0122 01112
  Stellringe11/5Ø*5 0244 01222
t Achsstifte4.8/11Ø*28/33 55810 2 445
u Hammer von Holz45*20*15 1111 11111
w Eisenstift  11 1 1    
1 Rundstäbchen 20mm lg.  15131530 8    
2 Rundstäbchen 30mm lg.  1381530 8    
3 Rundstäbchen 43.5mm lg.  13111530 6    
4 Rundstäbchen 60mm lg.  12171330 6    
5 Rundstäbchen 75mm lg.  45610 2    
6 Rundstäbchen 120mm lg.  21108 6    
7 Rundstäbchen 150mm lg.  2368 0    
8 Rundstäbchen 200mm lg.  2144 0002 
  Bauanleitung (26 Seiten)224*128  1        
  Bauanleitung (16 Seiten)165*102  1   1    
  Bauanleitung (48 Seiten)218*132    1      

Die Werte in der Spalte Fund 1/1alt entsprechen dem ältesten bekannten Kasten, der noch das Deckelbild von 1906 zeigt. Die Kastennummer 1/1 ist in blauer Schrift auf der Rückseite des Kartons vermerkt. Ein Einlegeplan dieses Kastens ist verfügbar.
Einige Teile haben etwas abweichende Eigenschaften. Der Schaft der Achsstifte ist gerade; der Ø ist 4.8mm.
Die Räder heißen noch Rollen. Das Mittelloch in den Rollen hat dagegen 5.8mm Ø. Die großen Rollen sind auf der einen Seite gewölbt. Teil g heißt noch Klötzchen. In einem Vorlagenheft wurden die großen Rollen mit 50mm Ø angegeben, obwohl sie real 46mm Ø haben. Die kleinen Rollen sind mit 35mm Ø angegeben, in Wirklichkeit sind sie größer.
Der Hammer hat vorne einen Zylinder von 17.5Ø*35.5mm. Seine Gesamtlänge ist 99mm.
Die Rundstäbchen sind bis 10% länger als in der Tabelle angegeben.
Es ist klar zu erkennen, dass den Kästen 1/1 in späteren Jahren noch weitere Teile zugefügt wurden. So enthält der Kasten 1/1 von 1914 zusätzlich Quadratstäbe 3 Loch lang, den Würfel, Antriebsscheibe, Antriebsrolle und Stellringe. Weiterhin waren in einige (nicht alle) der Räder s und t zusätzliche Löcher gebohrt, die die Baumöglichkeiten doch deutlich erweiterten.

Der Fund 2/1mit geht auf einen Kasten zurück, bei dem auf der Rückseite 2/1 vermerkt ist. Dieser Kasten entspricht jedoch vom Teileinhalt her nahezu dem Kasten 3/1, aber eben ohne dessen zusammengebaute Modelle. Der Karton hat die Maße 305x230mm, was laut Prospekt von 1914 einem Kasten 2/1 in großem Karton entspricht. (Ich danke Jürgen Kahlfeldt für die Informationen und Unterlagen.)
Wenn man jedoch den Inhalt des Kastens 2/1 aus dem Prospekt von 1914 ansieht, so erkennt man, dass der Kasten 2/1 von 1914 deutlich weniger Teile enthält, als der hier in der Tabelle aufgelistete Inhalt.
Der hier aufgelistete Kasten 2/1 enthält bereits die Antriebsscheiben und Antriebsrollen. Das Deckelbild zeigt bereits die beiden Kinder mit dem Hammerwerk. Der Kasten ist also nicht einer der ältesten.

Die Werte der Spalte Liste 00alt beschreiben einen der ersten Exemplare des Kasten 00. Im Kasten lagen 3 Rundstäbchen 100mm und 3 Rundstäbchen 120mm bei - in der Tabelle ist aus Vereinfachungsgründen 6 * 120mm angegeben. Die Teileanzahlen wurden einem Bild entnommen, das wahrscheinlich noch aus den Anfangsjahren stammt, denn es zeigt noch keine neueren Teile oder spätere Verbesserungen an Teilen. Den neueren Kasten 00 zeigt ein Bild aus dem Prospekt von 1914. Seine Daten findet man in der Spalte Gez. 00. Man erkennt deutlich, welche Teile im Laufe der Zeit neu hinzukamen.

Der Kasten gemäß Spalte Liste 3/1 existiert auch als Fund.


Annahmen zur Historie des alten Record-Systems

Die folgenden Annahmen sind durch Funde noch nicht ausreichend belegt. Es fehlen einfach noch Kästen, um die Annahmen sicher belegen zu können. Von einigen Kastengrößen fehlen überhaupt noch aussagekräftige Funde. Weiterhin ist aus der frühen Zeit nur der Prospekt von 1914 bekannt. Alle davor liegenden Ereignisse können nur schwer datiert werden.

Aufgrund der gesammelten Inhaltslisten der alten Record Kästen kann aber durchaus eine Hypothese gewagt werden. Es soll hier also die Entwicklung des Record-Baukastens zwischen 1906 und 1914 entsprechend meiner Annahmen beschrieben werden.

Am Anfang gab es nur die Kästen 1 und 2 im kleinen Kaliber. Die Bauklötze hatten 15mm Lochabstand. Der Kasten 1 entsprach wohl dem oben gelisteten "Fund 1/1alt".

Der Kasten 3 entstand dann als Luxuskasten, in den man die doppelte Menge an Teilen des Kastens 2 gab. Zusätzlich wurden aus den Teilen schon zwei Modelle gebaut und in den Kasten gegeben.

Der Kasten 4/1 ist vom Inhalt her vermutlich gleich mit dem Kasten 2. Nur hat man beim Kasten 4 größere Bauklötze verwendet. Diese Klötze haben einen Lochabstand von 20mm und Querschnitte von 20*20mm, entsprechen somit dem großen Kaliber. Der Kasten 4/1 war in Kartonverpackung, der 4/2 in Holzkasten-Verpackung. Ein solcher Kasten wurde noch nicht gefunden.
Entsprechend ist der Kasten 4/3 vom Inhalt her gleich mit dem Kasten 3, aber mit größeren Bauklötzen. Der Kasten 4/3 war in Kartonverpackung, der 4/4 in Holzkasten-Verpackung.

Um etwa 1909/1910 wurde die Anzahl der verschiedenen Record-Baukästen erhöht. Dabei war es wichtig, dass die vorhandenen Bauanleitungen für die neuen Kästen ohne größere Änderungen weiter benützt werden konnten.

Man schuf um diese Zeit am unteren Ende aus dem Kasten 1 den Kasten 0, indem man die Langstäbe von 15 Loch Länge für diesen neuen Kasten auf 11 Loch Länge kürzte. Der Kasten konnte dadurch in einem kleineren Karton gepackt werden und günstiger verkauft werden. Es können aber mit diesem neuen Kasten alle Modelle des Kastens 1 gebaut werden, wenn auch einige wenige etwas kürzer geraten.

Der Kasten 00 am unteren Ende des Produktspektrums war dann wieder eine komplett neue Erfindung, gedacht als preisgünstiger Einstiegskasten.

Da man mit dem Kasten 4 bereits größere Bauklötze eingeführt hatte, entschloss man sich, das gesamte Produktspektrum auch mit den großen Bauklötzen anzubieten. So entstanden die Kästen 200-203.
Kleines Kaliber000 123
Großes Kaliber200201 2022034/3
Die Tabelle rechts zeigt eine inhaltsmäßige Gegenüberstellung. So ist z.B. der Kasten 0 des kleinen Kalibers mit dem Kasten 201 des großen Kalibers inhaltlich vergleichbar.
Die Tabelle ist jedoch nur ein Anhaltspunkt. Denn die Kästen des großen Kalibers enthalten zumeist etwas weniger Teile als die entsprechenden Kästen des kleinen Kalibers, wie man an den Inhaltslisten (siehe oben) nachvollziehen kann.

Mit der Einführung dieser neuen Nummern wurden eigentlich die Nummern 4/1 und 4/2 überflüssig, die dann in den Prospekten der 20er Jahre auch nicht mehr auftauchten.

Einige wenige Änderungen an den Teilen sind noch zu erwähnen.
Schon um 1908 wurden in einige der Räder zusätzliche Löcher gebohrt. Dazu kamen Quadratstäbe von 2 und 3 Loch Länge. Auf diese Weise entstanden die Kästen, von denen etwa der "Fund 1/1" ein Beispiel ist.

Irgendwann vor 1914 - es gibt keine genaueren Hinweise - wurden die Kästen um einige Teile ergänzt, z.B. die Antriebsscheiben und die Antriebsrollen.
Die Kästen des großen Kalibers hat man aber nicht alle um die neuen Teile erweitert.

Bereits 1914 war der alte Record fertig entwickelt. Es gab keine Erweiterungen mehr.

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